Euler Hermes: Mit steigendem Vertrauen sinkt die Zahlungsmoral

  • Gipfel des Wachstums ist überschritten 
  • 3 Faktoren beschleunigen Ende des Konjunkturzyklus 
  • USA wachsen stärker, Europa kühlt sich ab, China stabilisiert Asien, Naher Osten und Afrika wachsen durch Rohstoffe

Wallisellen, 3. Mai 2018 – Die weltweit positive wirtschaftliche Entwicklung geht mit einer Verschlechterung der Zahlungsmoral einher. Laut der aktuellen Euler Hermes „Payment Behaviour“-Studie sind die Forderungslaufzeiten (Days Sales Outstanding / DSO) 2017 weltweit durchschnittlich um 2 Tage gestiegen. Die Folge: Unternehmen warten im Durchschnitt 66 Tage und damit so lange wie seit 2007 nicht mehr auf ihr Geld. 2016 lag die Wartezeit bis zur Bezahlung von Forderungen wie in den vier Jahren zuvor stabil bei 64 Tagen.

Einen Grund für den Anstieg sehen die Euler Hermes Experten in der verbesserten globalen Wirtschaftslage, die Unternehmen zu mehr Vertrauen und dadurch zu einer toleranteren Kontrolle der Zahlungseingänge verleite. Stefan Ruf, CEO Euler Hermes Schweiz, sagt: „Je entspannter die wirtschaftliche Gesamtsituation scheint, umso geduldiger warten Unternehmen auf ihr Geld. Ist das gut oder schlecht? In einem Umfeld, in dem wir immer mehr Grossinsolvenzen beobachten, ist das vor allem gefährlich. Man sollte das Umfeld aufmerksam beobachten und rechtzeitig agieren. Sonst wird die Rechnung am Ende gar nicht bezahlt.“ Die Korrelation zwischen Bruttoinlandsprodukt und der Zahlungsmoral gemäss DSO wird in der Auswertung von Euler Hermes seit 2007 aufgezeigt.  

Im stabilen Wirtschaftsumfeld wird sich der Trend fortsetzen 
Für dieses Jahr erwartet Ludovic Subran, Chefökonom bei Euler Hermes und stellvertretender Chefvolkswirt bei der Allianz, eine Fortsetzung des Trends: „Wir gehen davon aus, dass die Weltwirtschaft 2018 eine ähnliche Dynamik entwickelt wie im vergangenen Jahr, in dem sie um 3,2% gewachsen ist. Damit dürfte sich auch der Trend zur laxeren Handhabung von Forderungslaufzeiten verstärken, was in diesem Jahr zu einem weiteren statistischen Anstieg des weltweiten Durchschnitts um einen Tag auf 67 führen wird.“ 

Die Verlängerung der Zahlungsfristen haben die Experten von Euler Hermes in der Stichprobe, die 20 Branchen und 36 Ländern umfasst, übergreifend beobachtet. In zwei von drei Branchen und zwei von drei Ländern sind die Forderungslaufzeiten 2017 gestiegen. Dabei verstärken sich die Extreme: In Branchen, in denen bereits sehr lange Zahlungsfristen gewährt werden, warten Unternehmen seit 2017 noch länger auf ihr Geld.

So müssen Lieferanten der Elektronikbranche, im Maschinenbau und im Baugewerbe die längsten Forderungslaufzeiten von über 85 Tagen überbrücken. Auffällig stark sind 2017 aber auch die DSO in der Luftfahrt (+4) und im Automobilsektor (+3) gestiegen. Am schnellsten kommen dagegen Unternehmen aus dem Konsumgüterbereich wie Einzelhändler und Lebensmittelproduzenten sowie Transportunternehmen mit Forderungslaufzeiten von durchschnittlich bis zu 49 Tagen an ihr Geld.

Schweizer Unternehmen warten zwei Tage länger auf ihr Geld 
Mit einer Wartefrist von 51 Tagen bis zur Rechnungszahlung lag die Schweiz auch 2017 unter dem internationalen Durchschnitt von 66 Tagen. Allerdings sind im Vergleich zum Vorjahr auch hier zwei Tage hinzugekommen. Dies entspricht auch den Umfrageergebnissen des Exportrisiko-Monitors 2018 von Euler Hermes und der Berner Fachhochschule. Darin geben 43% der Unternehmen an, stark von Delkredererisiken betroffen zu sein. 

Insgesamt sind die Forderungslaufzeiten in der Eurozone um 2 Tage auf durchschnittlich 66 Tage gestiegen. Eine Ausweitung der Fristen gab es vor allem in Spanien, Portugal, Griechenland und den Niederlanden, während sie in Italien, Dänemark und Finnland rückläufig waren. Zwei Tage länger (56 DSO) warteten russische Unternehmen auf ihr Geld. Auch Grossbritannien blieb trotz Unsicherheiten im Zuge des Brexit mit 53 Tagen unter dem globalen Durchschnitt. 

In Asien hatte China einen Anstieg um 3 Tage zu verzeichnen und damit ein neues Zehnjahreshoch von 92 Tagen erreicht. Auch in Nordamerika warteten Unternehmen durchschnittlich zwei Tage länger auf den Geldeingang als noch 2016.

 

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