Gebremste Erholung im Gleichschritt mit Frühindikatoren der Industrie

24. November 2020
  • Der Schweizer Euler Hermes Export Forecast hat im dritten Quartal markant zugelegt und notiert Ende Oktober bei 0,71 Punkten. Damit liegt der Indikator derzeit wieder über dem langjährigen mittleren Wachstumskurs der Schweizer Exportindustrie. 
  • Die Rohstoffmärkte und die Industrie allgemein erholen sich, was sich positiv auf den globalen Welthandel auswirkt. Allerdings hat das Momentum des Forecasts im Oktober mit der zweiten Welle der Covid-19-Pandemie aufgrund der sich verschlechternden Stimmungsindikatoren wieder abgenommen. 
  • Euler Hermes erwartet für das Schlussquartal 2020 einen deutlichen Wachstumsrückgang. Mit einer nachhaltigen Konjunkturerholung wird erst in der zweiten Jahreshälfte 2021 gerechnet.

Wallisellen, 24. November 2020 – Aktuell notiert der Euler Hermes Export Forecast bei 0,71 Punkten und liegt somit über dem langjährigen mittleren Wachstumskurs der Schweizer Exportindustrie. Innerhalb der letzten drei Monate hat der Forecast markant zugelegt, liegt jedoch weiterhin unter dem Vorjahresniveau. Nach dem tiefen Einschnitt aufgrund der Corona-Pandemie im Frühling hatte ab Mai eine Gegenbewegung eingesetzt. Wie die Entwicklung des Forecasts zeigt, hielt diese bis Ende September an, wurde in der Tendenz jedoch schwächer. Im Oktober verzeichnete der Frühindikator dann einen leichten Rücklauf. Vorausgesetzt, die im Oktober beobachtete Trendwende verschärft sich nicht, deutet der Euler Hermes Export Indikator damit zurzeit darauf hin, dass die Exportwirtschaft in den kommenden Monaten überdurchschnittlich wachsen wird.

Trendumkehr aufgrund schlechter Stimmungsindikatoren 
Für die Trendwende des Forecasts im Oktober ist gemäss Stefan Ruf, CEO Euler Hermes Schweiz, die sich verschlechternde Stimmung bei den Investoren und Konsumenten verantwortlich. Die steigenden Covid-19-Infektionen belasten das Konsumentenvertrauen erneut, was sich direkt auf den Service-Sektor auswirkt. Auch die Volatilität an den Finanzmärkten hat wieder zugenommen. Ruf verdeutlicht weiter: «Die Wirtschaft in Europa hat im letzten Halbjahr besonders unter der Pandemie gelitten. Jetzt droht mit der zweiten Covid-19-Welle neues Ungemach. Davon wird auch die Schweizer Exportindustrie in Mitleidenschaft gezogen. Die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Abgleitens der konjunkturellen Entwicklung steigt.»

Im vierten Quartal wird mit Wachstumsrückgang gerechnet
Nach dem Rekordrückgang im zweiten Quartal 2020 hat sich der schweizerische Aussenhandel im Folgequartal deutlich erholt. Die Exporte stiegen saisonbereinigt um 6,5 Prozent (real: +9,9 Prozent), was umsatzmässig dem Quartalsniveau von vor drei Jahren entspricht. Auch die Importe haben um 11,5 Prozent (real: +9,0 Prozent) zugenommen. Nach der kräftigen Konjunkturerholung in den Monaten Mai bis September erwartet Euler Hermes im Schlussquartal 2020 allerdings wieder einen deutlichen Wachstumsrückschlag. Insgesamt wird damit gerechnet, dass die Schweizer Wirtschaft 2020 um 4,7 Prozent schrumpft (2021: +2,6 Prozent) und Schweizer Exporte um 7 Prozent zurückgehen (2021: +5,6 Prozent). «Auch wenn die Schweiz sich noch gegen einen zweiten nationalen Lockdown sträubt, so dürfte angesichts erhöhter Ansteckungssorgen und der Exportabhängigkeit der Wirtschaft ein erneuter konjunktureller Rückschlag nicht zu vermeiden sein,» so Katharina Utermöhl, Europa-Ökonomin bei Euler Hermes. «Mit einer nachhaltigen Erholung der Konjunkturdynamik ist erst in der zweiten Jahreshälfte 2021 zu rechnen – sofern bis dahin ein Impfstoff gegen das Virus flächendeckend verteilt werden kann.»

Indikatoren des Welthandels entwickeln sich positiver als erwartet
Bis zuletzt war die Entwicklung des Welthandels ermutigend. Während die WTO im ersten Halbjahr noch von einem Rückgang des globalen Handelsvolumens von über 20 Prozent ausging, wird derzeit mit einem Einbruch von weniger als 10 Prozent gerechnet. Die Frachtpreise haben jüngst ein neues Rekordhoch erreicht und der Containerumschlag übertrifft sogar das Niveau, welches er vor der Corona-Krise erzielte. Die dynamische Entwicklung des Welthandels hängt eng mit der Erholung der Rohstoffmärkte und der Industrie allgemein zusammen. So hat der globale Einkaufsmanagerindex von J.P. Morgan Ende Oktober ein neues Mehrjahreshoch von 53 Punkten erreicht. Weiter haben sich im August und September die meisten Arbeitsmärkte weltweit erholt, im Oktober wurde hingegen keine weitere Verbesserung beobachtet.

 

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